Presseberichte der Saison 07/08:


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08.12.2007

 

Senkels Welt ist eine kleine Scheibe

Sportler der Woche  Der Höchstadter Stadtmeister wirft nicht nur für den Bayernligisten Finnegans Harp Nürnberg und deutschlandweit bei Turnieren, sondern organisiert auch selbst Wettkämpfe und engagiert sich als Jugendbetreuer.

 

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VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED Michael Memmel


Höchstadt - Die Welt ist doch eine Scheibe – zumindest für Michael Senkel. Um die 82 Felder und 20 Zahlen einer Dartscheibe dreht sich für den Weisendorfer fast alles jenseits seiner Arbeit. Mit seinen 22 gramm schweren, von seinem Teamkollegen Jochen Weißmann extra für ihn angefertigten Pfeilen aus Wolfram visiert er aus 2,37 Metern Entfernung die kleinen Segmente an und versucht, mit möglichst wenigen Würfen exakt 501 Punkte zu erzielen. Heute wirft der FT virtuell für ihn.

180 (3 x Triple 20): Die Traumzahl aller Darter – mehr geht nicht mit drei Versuchen. Dem 43-Jährigen gelang unter anderem bei den Höchstadter Stadtmeisterschaften am vergangenen Wochenende diese Punktzahl. Senkel, der Mitglied beim DC Höchstadt ist, dominierte dieses Turnier und sicherte sich in einem engen Finale gegen Roland Pöhnlein zum dritten Mal nach 2002 und 2005 den Titel. Es war einer dieser Tage, bei denen es rund lief bei ihm. „Beim Werfen versuche ich, mich in einen Tunnel zu bringen, dass nichts mehr zwischen mir und der Scheibe ist. Das klappt aber nicht immer“, erzählt der gebürtige Berliner, von dem seine Gegner behaupten, dass er, wenn's läuft, jeden schlagen könnte. Dann kann er sich auch mal Sprüche erlauben wie: „Der Stadtmeisterpokal will wieder nach Hause.“ Zielsicherheit lässt sich aber nicht heraufbeschwören. „Ich habe es noch nicht geschafft, so trainieren, dass ich auf den Punkt in Topform bin.“ Wenn mal der Wurm drin ist, lässt er sich von den geringsten Kleinigkeiten ablenken. Da helfen manchmal nur Tricks: „Ich stell mich dann absichtlich einen halben Meter neben die Scheibe, um mir zu sagen: Konzentrier dich jetzt!“

74 (Triple 13, Double 10, Einfach 15): Das war das Jahr, in dem er Kreuzberger Meister wurde – im Schulschwimmen. Zum Dart kam er erst zehn Jahre später „aus der Geselligkeit heraus“. Er vollzog einen Bilderbuchstart in diesen Sport: ein Kneipenbesuch im Berliner Stadtteil Neukölln, ein interessierter Blick ins Nebenzimmer, ein paar erste Testwürfe – die Lust auf mehr war geweckt. Ehe er sich versah, war er fester Bestandteil einer Mannschaft und hatte seine Frau über das Darten kennengelernt. Zwischenzeitlich legte er zwar mal eine fünfjährige Pause ein, aber die Scheibe verlor er trotzdem nicht aus den Augen.

33 (Einfach Bullseye, E6, D1): So alt war Senkel, als die Firma, bei der er in Berlin beschäftigt war, geschlossen wurde und ein Teil der Produktion nach Weisendorf verlagert wurde. Der Fertigungsmeister war damals zuständig für den Auf- und Abbau der Anlage, und weil es ihm im beschaulichen Franken gefiel, blieb er gleich hier, auch wenn er sich erstmal an das eingeschränkte Nachtleben gewöhnen musste. Fernab der Heimat fehlten ihm damals vor allem die Freunde, aber er wusste schon, wo er die finden würde: beim Darten. Bei der Vereinssuche fiel seine Wahl schnell auf den DC Höchstadt, wo der ehemalige Berliner Bezirksliga-Meister mit offenen Armen aufgenommen wurde.

77 (T18, E19, D2): So viele verschiedene Darter haben in diesem Jahr schon an den Dienstagsturnieren des DCH teilgenommen. Bis aus Bad Windsheim, Neumarkt oder Amberg fahren die Sportler in den Aischgrund, um bei einem der 51 Wettkämpfe in der „Triangel“ anzutreten und sich vom rührigen Wirt Manfred Kral verpflegen zu lassen. Für die Platzierungen am Ende eines Turniers gibt es Punkte, die in einer Gesamtwertung addiert werden. Kurz vor Ende der Serie führt Michael Senkel uneinholbar – nicht nur weil er mit 40 Teilnahmen vorne liegt, sondern auch weil er dabei 38 Mal 180 getroffen hat und den zweitbesten Schnitt der führenden Spieler aufweist. Dabei fungiert Senkel gleichzeitig als Organisator dieser Wettkämpfe. Seit einiger Zeit genügt es ihm nämlich nicht, den Sport nur auszuüben, er engagiert sich auch für ihn. Beim DCH ist er Jugendbetreuer und Initiator der Mitternachtsturniere, besitzt seit fünf Jahren den Schiedsrichterschein, tritt im Mittel- und Oberfränkischen Dartverband MOFDV (www.mofdv.de) als Ligaleiter und Pressesprecher auf und leitet auch die Landesliga. Nebenbei macht er noch Werbung für die jüngst gegründete German Dart-Cooperation (GDC), die versucht, den Sports zu professionalisieren. Bei ihren großen Turnieren war und ist er teilweise schon selbst am Start, auch wenn er dafür viele Kilometer im Auto fahren muss und nur geringe Siegchancen hat. Als Einzelsportler sind die German Masters das Non-Plus-Ultra für ihn. Als Dritter der bayerischen Rangliste hatte er sich im vergangenen Jahr dafür qualifiziert und will diesen Erfolg auf jeden Fall wiederholen.

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„Darten ist zum großen Teil Kopfsache. Das geht ganz schön an die Nerven.“

 

Michael Senkel


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Rest 137. Jetzt wird es knifflig. Der talentierte Hobbydarter würde weiter unerschrocken die höchste Wertung (Triple 20) anpeilen, um im Erfolgsfall zu merken, dass er bei Rest 17 die finale Bedingung nicht erfüllen kann: mit einer Doppelwertung ins Ziel kommen. So etwas passiert Senkel nicht: T20, T19, D10 würde er anpeilen. Ob er sie trifft, hängt von der Tagesform ab. Und diese gibt gerade bei Ligaspielen den Ausschlag. „Bei Turnieren kann man sich langsam einspielen, in der Liga gibt es nur zwei Spiele“, erklärt Senkel. Nach seinem Umzug 1997 trat er zunächst für den DC Höchstadt an und war in der untersten Liga bald in der Statistik führend. „Da wollte ich wissen, was ich wirklich kann“, erinnert sich Senkel. Beim Bayernligisten Finnegans Harp Nürnberg stellte er sich einer neuen Herausforderung. Nach einem Jahr in der zweiten Mannschaft
gehört er inzwischen als einer der besten Spieler zum Team des Bayernliga-Meisters, das sich als aktueller Spitzenreiter den Aufstieg in die Bundesliga vorgenommen hat. Sollte dies in den schweren Entscheidungsspielen nach der Punkterunde gelingen, wird Deutschland endgültig zum Dartboard des Weisendorfers, der in der E-Dart-Bundesliga schon für Würzburg angetreten ist. Heute hat der FT für ihn das Ziel erreicht: 501 Punkte mit 15 Würfen.

 

08.12.2007

 

Steckbrief

 

 

MICHAEL SENKEL
Geburtsdatum
3. Januar 1964
Geburtsort Berlin
Familienstand geschieden
(Sohn Christopher/10 Jahre)
Wohnort Weisendorf
Beruf Fertigungsmeister
Hobbys Dart
Spitzname Mike
Vorbild Phil Taylor (13-facher Weltmeister)
Verein DC Höchstadt, Finnegans Harp Nürnberg (zuvor in Berlin: Opas DC, DC Pferdestall)
Schönster Erfolg Bezirksliga-Meister in Berlin Ende der 1980er Jahre nach zehn Turnieren und einem Finalwettkampf
Schlimmste Niederlage „Immer wenn ich unter meinem Niveau spiele und verliere“

 

 

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An dieser Stelle möchten wir uns bei Andreas Dorsch (FT) bedanken für die mündliche Genehmigung den Bericht hier online stellen zu dürfen.